Egal, in welcher Branche du arbeitest: Für jede Präsentation, Produktion und Problemlösung brauchst du Kreativität. Leider bringt unser Ausbildungssystem uns nicht unbedingt bei, wie wir kreativ arbeiten – vielmehr wird uns die angeborene Fähigkeit zur Kreativität zugunsten perfekten Auswendiglernens und guten Prüfungsleistungen abgewöhnt. Die gute Nachricht: Die unglaubliche Schaffenskraft, die in dir schlummert, lässt sich immer wieder aufs Neue wecken. Oder anders gesagt: Sie geht nie wirklich weg. Du darfst sie nur dich durch falsche Annahmen kleinhalten.

Der Hirnforscher Gerald Hüther attestiert unserem Gehirn ein „irrsinniges Potenzial“, das wir im Laufe unseres Lebens nie ganz ausschöpfen werden.* Deshalb können wir uns jederzeit alles aneignen, was wir brauchen – das hat nichts mit dem Alter zu tun. Wichtig sind laut Hüther die Bedingungen, unter denen wir lernen und arbeiten. Leider sind das an vielen Arbeitsplätzen genau die falschen. Der Anspruch, in jeder einzelnen Minute beobachtbar produktiv zu sein, ist unerfüllbar. Denn Kreativität braucht Ruhe, Entspannung und die Freiheit, dich einer Aufgabe in deinem eigenen Tempo zu nähern.

Kreativität muss nicht gefördert werden – du hast sie sowieso

Kinder lernen am besten, solange man sie in Ruhe lässt. Wenn Erwachsene anfangen, sie zu fördern, lässt ihre Lust am Lernen nach. Die Idee, dass nur unter Druck brauchbare Ergebnisse entstehen, ist also vollkommener Unsinn. Kinder gehen laut Gerald Hüther ganz von allein an die Grenze – sie wollen den höchsten Turm bauen, der mit ihren Bauklötzen machbar ist. Wenn du deinen Job grundsätzlich gerne machst, kannst auch du dich auf diese intrinsische Motivation verlassen. Hüther sagt ganz klar: Kreativität muss nicht aktiv gefördert werden – sondern es geht darum, sie nicht verschwinden zu lassen.

Was kannst du also tun, um deiner Kreativität möglichst freien Lauf zu lassen? Hinterfrage zunächst die Glaubenssätze, die dich beim Arbeiten begleiten und womöglich beschränken. Bekommst du schnell ein schlechtes Gewissen, wenn du deine Gedanken zu lange schweifen lässt, statt etwas Messbares zu produzieren? Verbietest du dir Pausen, wenn du sie brauchst? Bist du unzufrieden mit dir, wenn du in einer bestimmten Zeitspanne noch nicht das produziert hast, was du von dir erwartest? All dies verursacht Stress und hindert dich daran, kreativ zu sein.

Warum die besten Einfälle oft unter der Dusche kommen

Du kennst das sicher: Die besten Einfälle kommen oft unter der Dusche oder kurz vor dem Einschlafen. Das hängt damit zusammen, dass dein Unterbewusstsein gute Ideen am liebsten im Entspannungszustand an die Oberfläche spült. Der Trick ist also, auch am Arbeitsplatz möglichst entspannt zu sein. Damit meinen wir nicht, dass du die ganze Zeit mit Kollegen Käffchen trinken sollst – obwohl das in Maßen durchaus der Inspiration dient – sondern, dass gute Einfälle eben gute Bedingungen brauchen.

Drei Tipps zur Provokation guter Einfälle

  • Höre beim Arbeiten Musik – Klassik, aber auch andere Musikrichtungen tragen zur Entspannung bei.

  • Umgebe dich mit Blau. Die Assoziation mit dem Himmel und dem Meer ist so stark, dass die Farbe dich zur Ruhe bringt. Wenn möglich, schau in den blauen Himmel! Bei Regen such dir Ersatz – druck zum Beispiel deinen Textentwurf auf blaues Papier aus.

  • Beschäftige dein Gehirn mit etwas Leichtem, bevor du dich an die kreative Aufgabe setzt. Schaue zum Beispiel ein kurzes, interessantes Video, das mit der anstehenden Arbeit nichts zu tun hat.

Wer hundert Mal das Fischernetz auswirft, wird auf jeden Fall Erfolg haben

Unser letzter Tipp: Wenn es nicht sofort klappt, bleib dran. Unternimm neue Versuche. Lass dich nicht entmutigen. Je mehr du produzierst, umso größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende etwas Brauchbares dabei ist. Das ist wie beim Fischen: Wer nur einmal das Netz auswirft, muss Glück haben. Wer hundertmal das Netz auswirft, hat auf jeden Fall Erfolg. Wenn du dir unsicher bist, lass die verschiedenen Entwürfe einen Tag liegen oder frag deine Kollegen. Eine neue Perspektive bringt dir mehr, als stundenlang im eigenen Saft zu schmoren.

Alles auf einen Blick:

  • Falsche Glaubenssätze halten deine Kreativität unnötig klein.

  • Die besten Einfälle hast du, wenn du entspannt bist.

  • Produziere mehr, als du brauchst – dann ist auf jeden Fall etwas Brauchbares dabei.

Wirf noch heute einen falschen Glaubenssatz über Bord – und genieße deinen nächsten Arbeitstag in Freiheit davon.

Viel Spaß beim Netze auswerfen wünscht dir:

dein punktbar-Team

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*Die Bezüge auf Gerald Hüther stammen aus diesem Gespräch: https://www.youtube.com/watch?v=jXOWZQxzGO8