Wir sind zwar nicht gern die Überbringer schlechter Nachrichten, aber: Viel zu arbeiten heißt noch nicht, dass du auch produktiv bist. Wir alle kämpfen in unserem Arbeitsalltag mit Ablenkungen, verbringen zu viel Zeit mit unwichtigen Dingen und sind dabei oft nicht sonderlich effizient. Die gute Nachricht: Das kannst du ändern.

Bei der Suche nach Strategien für ablenkungsfreies Arbeiten kommt man kaum an Cal Newport vorbei. Der US-amerikanische Informatikprofessor und Sachbuchautor hat sich viele kluge Gedanken zum Arbeitsleben gemacht und sie zu Bestsellern verarbeitet. Sein Buch „Deep Work“ widmet sich dem konzentrierten Arbeiten. Wir haben für dich reingeschaut und halten hier die Punkte fest, die wir am wichtigsten finden.

Ablenkungen zu vermeiden, ist schwer

Noch mehr schlechte Nachrichten gefällig? Multitasking ist das Schlimmste, was du deiner Produktivität antun kannst. Auch der von vielen Arbeitgebern gewünschte Zustand, jederzeit ansprechbar zu sein, ist für intensives Arbeiten der Tod. Abgesehen von den sozialen Auseinandersetzungen, die vielleicht anstehen, wenn du dir zeitweise absolute Ruhe erbittest, kämpfst du noch an einer anderen Front: Dich aktiv gegen Ablenkung zu entscheiden, fühlt sich erst einmal falsch an. Denn evolutionär gesehen ist der Mensch darauf gepolt, seine Aufmerksamkeit schnell auf neue Ereignisse zu richten. Es könnte ja Gefahr drohen. Gleichzeitig sind E-Mail-Postfach, Apps und Social Media darauf ausgelegt, Neuigkeiten so schnell wie möglich zu überbringen. Sich von ihnen abzuschirmen, funktioniert nur, wenn du es aktiv entscheidest. Das solltest du zeitweise unbedingt tun: Wenn du nämlich häufig zwischen verschiedenen Dingen hin- und herwechselst, schafft dein Gehirn es nie, sich wirklich auf eine Tätigkeit einzulassen. Bei jedem Neuanfang braucht es eine Weile, um sich warmzulaufen – das ist anstrengend und kostet Zeit.

Alles ist fragmentiert

„E-Mails, SMS, soziale Netzwerke und Infotainment-Seiten wie Buzzfeed und die ständige Verfügbarkeit durch Smartphones haben die Aufmerksamkeit der meisten Wissensarbeiter in winzige Scheibchen fragmentiert“, schreibt Cal Newport in einem Beitrag bei ZEIT Online. Darunter leide das Ergebnis: „Größere Leistungen, denen ein intensives Nachdenken gute Dienste leisten würde, zum Beispiel der Aufbau einer neuen Geschäftsidee, werden zu zerfahrenen Streiflichtern fragmentiert, die von minderer Qualität sind.“ Zum ganzen Beitrag geht es hier.

So gelingt dir Deep Work

So weit, so einleuchtend. Was kannst du also tun? Cal Newport schlägt vor, sich zum Arbeiten zu verbarrikadieren – und zwar radikal und ohne Ausnahmen. Er macht mehrere Vorschläge, wie das funktionieren kann. Die für unseren Arbeitsalltag wohl praktikabelste Variante ist, 90-Minuten-Einheiten für konzentriertes Arbeiten zu blocken. In dieser Zeit ist alles verboten, was dich rausbringt: E-Mails checken, zum Smartphone greifen, mit Kollegen sprechen, Kaffee machen, eine neue Playlist auswählen. Damit dich keiner stört, solltest du dir den nötigen Raum schaffen und Grenzen setzen: Kleb einen Zettel an die Tür, dass du nicht gestört werden willst. Wenn du im Gemeinschaftsbüro arbeitest, setz Kopfhörer auf und leg einen Zettel auf deinen Tisch. Damit du auch wirklich Zeit für diese 90-Minuten-Einheiten hast, solltest du sie in deinem Kalender blocken wie jeden anderen Termin auch. Zu dieser Zeit findet nichts anderes statt. Zwischen den Blocks ist dann Zeit für Kommunikation, Kaffee und Co. Selbst wenn du nur einen einzigen Block am Tag unterbringen kannst, wird dich das ein ordentliches Stück voranbringen. Wenn es dein Arbeitsalltag zulässt, kannst du hin und wieder auch sechs bis sieben Stunden am Stück für konzentriertes Arbeiten blocken.

Deep Work macht dich besonders

Die Fähigkeit, konzentriert zu arbeiten, ist laut Newport selten geworden – und dadurch wertvoll. Wenn du in der Lage bist, dich auf eine Aufgabe voll zu konzentrieren, hebst du dich damit von anderen ab und wirst für Arbeit- und Auftraggeber attraktiver. Wenn du Deep Work in deinen Alltag integrierst, findest du irgendwann routiniert in den entsprechenden Geisteszustand. Denn dein Gehirn gewöhnt sich an das, was du häufig tust – ob es nun konzentriertes Arbeiten ist oder der schnelle Reiz eines Likes oder Anrufs. Intensive Denkphasen sind übrigens nicht nur am Schreibtisch möglich: Auch bei ungenutzter Zeit wie beispielsweise beim Schlange stehen, Bahn fahren oder bei einem Spaziergang ist Platz für eine Einheit „produktiver Meditation“, wie Newport es nennt. Konzentriere dich in dieser Zeit ganz auf ein bestimmtes Problem, statt an mehreren Dingen gleichzeitig herumzudenken oder mit dem Handy zu spielen. Statt erst am Arbeitsplatz mit dem Nachdenken anzufangen, kannst du die Lösung oder die getroffene Entscheidung am Schreibtisch gleich umsetzen.

Auf einen Blick:

1. In einer Welt voller Ablenkungen kann Deep Work helfen.

2. Schreibe dir Deep-Work-Einheiten als Termine in deinen Kalender.

3. Nutze auch alltägliche Phasen des Leerlaufs für Deep Work – so sparst du noch mehr Zeit.

Wann hast du das nächste Mal 90 Minuten Platz im Kalender? Blocke sie und probiere Deep Work einfach mal aus!

Erfolgserlebnisse verspricht dir:

dein punktbar-Team

Bildnachweis: Alexander Hafemann / istockphoto.com